Der Opel Corsa-e im Test – Die ersten 8 Wochen mit dem E-Auto

Inzwischen steht der Opel Corsa-e schon seit einigen Wochen vor meiner Türe. Jetzt wird es Zeit für einen kleinen Testbericht.

Die große „Reichweiten-Angst“ unbegründet

Der Opel Corsa-e hat durch seine Batterie mit einer Nettokapazität von 46 kWh eine Reichweite von 337 km nach WLTP (Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure). Für meine Bedürfnisse ist das mehr als ausreichend. Und für die meisten Deutschen wohl ebenso. Nach einer Studie von Check24 werden durchschnittlich gerade mal etwas mehr als dreißig Kilometer pro Tag zurücklegt, genauer gesagt 11.387 Kilometer im Jahr. Die große „Reichweiten-Angst“ die bei E-Autos herrscht, ist also weitgehend unbegründet. Man darf die Grundbedürfnisse an das Fahrzeug nicht auf die  – zweimal im Jahr nach Italien fahren – festnageln. Hier sollte es dann wirklich möglich sein, ein oder zwei Pausen mehr als normal einzuplanen.
Ja, Ausnahmen bestätigen die Regel – aber für höhere Ansprüche gibt es auch andere (E-) Fahrzeuge.

Preis und ein erster Eindruck

Die Preise für den Opel Corsa-e beginnen bei 29.900 Euro. Das Spitzenmodell Ultimate beginnt bei 35.645 €. Bei meinem Fahrzeug handelt es sich um den Corsa-e Edition (MJ22), welcher ab 30.650 € angeboten wird. Als zusätzliche Ausstattung habe ich lediglich den On-Board Charger, 3-phasig (11 kW), sowie Sitz- und Lenkradheizung gewählt. Mehr ist kaum notwendig, da der Corsa-e über eine ausgezeichnete Grundausstattung verfügt.
Alle diese Preise verstehen sich ohne den Umweltbonus von 6.000 €.

Ohne es zu wissen, ist es nicht leicht, den Corsa-e von einem Corsa mit Verbrennungsmotor zu unterscheiden. Die „e“-Logos, die auf den Elektroantrieb hinweisen, sind verchromt, haben nur einen kleinen Durchmesser und sind dezent an den Mittelsäulen und der Heckklappe angebracht. Natürlich ist das Fehlen eines Schalldämpfers der einfachste Weg, ihn zu unterscheiden. Hier erkennt man aber auch deutlich, dass Opel hier sogar dieselbe Stoßstange verwendet. Die Aussparung des Auspuffs ist bei der E-Variante lediglich mit einer Kappe verdeckt.

Der 4,06 Meter lange und 1530 kg schwere Stadtflitzer, der von außen dynamisch und unaufdringlich wirkt, zeigt ein klassisches Interieur. Es hat eine schwarze Atmosphäre und gerade, funktionale Formen. Die Qualität der verwendeten Materialien und die Verarbeitung sind auf einem ganz ordentlichen Niveau. Die digitale 7-Zoll-Instrumententafel zeigt alle Informationen deutlich an, blendet  aber nicht bei der Fahrt. Diese füllt den Raum über dem Lenkrad jedoch nicht aus, sodass auf beiden Seiten zwei schwarze Kunststoffflächen verbleiben. Und obwohl es in Farbe ist, wirkt der Innenraum durch die dunkelgraue Dominanz des Bildschirmes, selbst auf dem Menü, das die Navigationskarte hervorhebt, wenig farbenfroh. Der 309 Liter fassende Kofferraum muss Platz für die Kabel bieten, denn einen Stauraum gibt es für diese nicht.

Auf geht die Fahrt

Der Corsa-e verfügt über drei Fahr-Modi. Diese können jederzeit während der Fahrt geändert werden.

  • Sportmodus (260 Nm/136 PS)
  • Normalbetrieb (220 Nm, 109 PS)
  • Eco-Modus (180 Nm, 82 PS)

Bei normaler Fahrt erzeugt das Loslassen des Gaspedals fast keine Motorbremsung, ideal um nach einer Beschleunigung, etwa auf der Autobahn etwas dahin zu „segeln“. Ein kurzer Druck auf den Wählhebel und der „B“-Modus wird aktiviert, wodurch die elektrische Rückgewinnung (Rekuperation) erheblich erhöht wird. Hier wird nach dem Loslassen des Gaspedals das Fahrzeug rasch langsamer. Bis zum Stillstand kommt der Corsa-e jedoch nicht. Wenn man diesen Modus wählt, kann man beispielsweise im Stadtverkehr jedoch trotzdem, zumindest weitgehend nur mit einem Pedal fahren.

Im Fahr-Modus „Sport“ ist die Regeneration in der Stellung „D“ (Drive) stärker ausgeprägt, in der Stellung „B“ entspricht sie jedoch den anderen Modi. Auch die Lenkung wird hier etwas schwergängiger.

Das Fahrwerk nutzt die Peugeot-Basis, um ein effizientes Fahrverhalten ohne allzu große Karosseriebewegungen zu ermöglichen, was durch die niedrige Bodenfreiheit und den dank der bodennahen Batterien nahe am Boden liegenden Schwerpunkt unterstützt wird. Die straffe Federung geht nicht zulasten des Komforts und ist geschmeidig. Dies kann jedoch bei Kurvenfahrten auf unebenem Untergrund oder beim Befahren von Bodenwellen, die etwas zu schnell angefahren werden, zu einem leichten Aufschaukeln führen.

Seine guten dynamischen Leistungen bei moderaten Geschwindigkeiten werden auf der Autobahn bestätigt. Das Lenkrad bleibt auch bei hohen Geschwindigkeiten an seinen Platz und das Fahrzeug hält sicher seine Spur. Im „Sport“-Modus oder bei voll durchgetretenem Gaspedal werden die 136 PS und 260 Nm Drehmoment für eine Zeit von 8,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h freigesetzt. Man hört bei hohen Geschwindigkeiten jedoch deutlich den Reifen auf der Straße und den Fahrtwind. Hier könnte das Fahrzeug vielleicht etwas besser Lärmisoliert sein. Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch begrenzt und liegt bei 150 km/h.
Die Reichweite sinkt bei hohen Geschwindigkeiten logischerweise schneller, aber selbst auf deutschen Autobahnen gibt es zu genüge Streckenabschnitte, wo die Geschwindigkeit begrenzt ist.

So komme ich persönlich selbst mit gelegentlichen Autobahnfahrten auf einen Durchschnittsverbrauch von rund 16 kWh/100 km. Bei der Nettobatteriekapazität von 46 kWh ergibt so eine durchschnittliche Reichweite von gut 290 km.

Einmal aufladen bitte

Um täglich mit dem E-Auto unterwegs zu sein, ist eine Ladestation zu Hause natürlich ein Optimum. Ich selbst habe diese Möglichkeit leider nicht, bin daher ausschließlich auf öffentliche Lademöglichkeiten angewiesen. Bisher stelle dies kein Problem für mich dar. Aldi, Lidl und Kaufland versorgen mich bei jedem Einkauf bisher sogar noch kostenlos mit Strom. Gebührenpflichtige Ladesäulen musste ich bisher lediglich bei langen Autobahnfahrten nutzen. Hier war es mir eindeutig zu stressig und zeitraubend kostenlose Lademöglichkeiten zu suchen.

Die Ladebüchse des Opel Corsa-e ist am linken hinteren Kotflügel und verfügt über eine Typ-2-Steckdose für Wechselstrom mit einer Leistung von bis zu 7,4 kW (serienmäßig) oder 11 kW (optional). Für Gleichstrom- und Schnellladungen bis zu 100 kW gibt es eine CCS-Kombisteckdose. Das Kabel für Haushaltssteckdosen (Modus 2) wird standardmäßig mitgeliefert. Das Kabel für den Anschluss an eine Wallbox oder öffentliche Ladestationen (Modus 3 bzw Typ 2) ist leider nicht im Lieferumfang des Fahrzeuges enthalten und muss separat erworben werden.

Ich habe mich hier für das MENNEKES Ladekabel (bis 11 kW) entschieden. Vor allem, wenn man nur oder viel unterwegs lädt, sollte man die Länge nicht zu kurz wählen.

Es gilt die Formel: Fahrzeuglänge + Fahrzeugbreite = Mindestlänge des Ladekabels.

Ich habe mich daher gleich für die 7,5 m ausgewählt. (Danke an die kompetente und freundliche Beratung an Sabine von energielösung.de). Bei den 11 kW ist das Kabel hier noch leicht und flexibel genug um es bequem zu händeln.

Da der Corsa über kein separates Fach für das Ladekabel verfügt, muss das soweit lose im Kofferraum gelagert werden. Um das sauber zu lösen habe ich mir von IKEA eine SKUBB Tasche besorgt. In dieser Box findet das Kabel für Haushaltssteckdosen, das Typ 2 Ladekabel und sogar noch der Verbandskasten sowie das Warndreieck locker Platz. Und alles ist ordentlich aufgeräumt. Hier ein Dank an Bernd und Andrea für den Tipp.

An einer Haushaltssteckdose benötigt die 46 kWh nutzbare Batteriekapazität (50 kWh brutto) rund 28 Stunden*, um von 0 auf 100 % aufgeladen zu werden. Es ist daher besser, zu Hause ein Gerät mit höherer Leistung einzuplanen. Bei einer verstärkten Haushaltssteckdose mit 3,2 kW benötigen Sie immer noch 16 Stunden*. Bei einphasigen Wallboxen von 3,7 kW und 7,4 kW benötigen Sie etwa 15h respektive 8h*. Bei einer dreiphasigen Wallbox (dreiphasige Elektroinstallation erforderlich) von 11 kW benötigen Sie nur noch 5h*. (*Herstellerangaben)

Ohne eine Wallbox von mindestens 7,4 kW kann die Wartezeit bei einer stark entladenen Batterie also schon lang sein. Diese Lösung sollte daher bevorzugt werden, damit eine Nacht ausreicht, um am nächsten Morgen wieder mit einem vollen Tank zu starten. Aber Dank der Förderung der KfW bekommt man ja recht kostengünstig eine Wallbox.

Fazit zum Corsa-e

Nach meinen rund 2500 km die ich bisher mit dem Corsa-e zurückgelegt habe ich nach wie vor voll zufrieden. Mit dem Corsa an sich, sowie mit dem Konzept E-Auto. Es werden sicher noch einige weitere Beiträge zum Thema E-Auto folgen. Gerne könnt ihr mir in die Kommentare schreiben, was euch interessiert.


LesetippDie ersten Wochen mit einem Elektroauto / Marc-Oliver von nocash.blog über den Peugeot e-208


 

2 Kommentare

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  1. […] in nur fünf Minuten bis zu 100 Kilometer Reichweite laden – zu 100 Prozent aus Ökostrom. Selbst mein Opel e-Corsa schafft es mit einer Aufnahme von 100 Kilowatt hier in rund 20 Minuten von 0 auf 80 Prozent zu […]

  2. […] begrüße diese Entscheidung. Klar war es bequem, dass ich bisher mein Fahrzeug auch noch über meinen Einkauf hinaus laden konnte. Aber wirklich fair ist natürlich […]

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